Völkerbund

    Aus Lexikon Drittes Reich

    1919/20 gegründete weltweite internationale Staaten-Organisation mit Sitz in Genf. Die Satzung des Völkerbunds wurde am 28. 4. 19 durch die Vollversammlung der Pariser Friedenskonferenz angenommen, als Teil I (Artikel 1 bis 26) in alle Pariser Vorortverträge aufgenommen und trat mit der Ratifizierung des Versailler Vertrags am 10. 1. 20 in Kraft.

    Initiator des Völkerbunds war US-Präsident Wilson; im letzten Punkt seiner Vierzehn Punkte vom 8. 1. 18 forderte er die Errichtung eines Völkerbunds. Mitglieder des Völkerbunds anfangs 32 Kriegsgegner des Deutschen Reichs und 13 im Ersten Weltkrieg neutrale Staaten; 1920 wurden Äthiopien, Österreich und Bulgarien, 1922 Ungarn, am 8. 9. 26 das Deutsche Reich (wie im Locarnopakt vorgesehen), 1931 Mexiko, 1932 der Irak und die Türkei und 1934 die UdSSR aufgenommen. Brasilien (1926), Japan (1933), Deutschland (19. 10. 33) und Italien (1937) traten wieder aus dem Völkerbund aus; die UdSSR wurde wegen ihres Winterkriegs gegen Finnland 1940 ausgeschlossen. Die USA ratifizierten den Versailler Vertrag nicht und gehörten dem Völkerbund nicht an.

    Organe des Völkerbunds:

    1. die einmal jährlich tagende Völkerbundversammlung, in der jedes Mitglied eine Stimme hatte;#der mehrmals im Jahr zusammentretende Völkerbundrat mit Großbritannien, Frankreich, Italien, Japan, später auch mit Deutschland und der UdSSR als ständigen und neun für drei Jahre gewählten nichtständigen Mitgliedern;#das von einem Generalsekretär geleitete Ständige Sekretariat.Zweck des Völkerbunds war, die Zusammenarbeit zwischen seinen Mitgliedern zu stärken, für die Achtung ihrer territorialen Integrität und politischen Unabhängigkeit zu sorgen, ihre Sicherheit zu gewährleisten und so den Weltfrieden zu erhalten, etwa durch die Schlichtung zwischenstaatlicher Konflikte oder Bemühungen um eine internationale Abrüstung. Außerdem war der Völkerbund für die Verwaltung des Saarlands (bis 1935) und der Freien Stadt Danzig, die Aufsicht über die so genannten Mandatsgebiete (die ehemaligen deutschen Kolonien in Afrika und ehemals türkische Gebiete in Asien) und für den Schutz nationaler Minderheiten zuständig. Bei der Schlichtung von Streitigkeiten zwischen kleineren Staaten, auf kulturellem, wirtschaftlichem und humanitärem Gebiet war der Völkerbund erfolgreich. Dagegen hatten weder seine Abrüstungsbemühungen Erfolg, noch konnte er militärische Konflikte, an denen Großmächte beteiligt waren (z. B. den Krieg Italiens gegen Abessinien 1935/36), noch den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs (1939) verhindern.

    Am 18. 4. 46 löste sich der Völkerbund selbst auf. An seine Stelle traten im selben Jahr die Vereinten Nationen.