Völkerrecht

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Regeln, die die Staaten im Verkehr miteinander als Recht anerkennen. Das nationalsozialistische Völkerrecht propagierte den Gedanken des "Reichs", das eine Verbindung von Großraum, d. h. eines geographischen Teils der Erde (z. B. Großraum Amerika), mit einem Volk und einer politischen Idee darstellte, die in diesen Großraum ausstrahlte. Das Großraumprinzip beinhaltete Interventions- und Einmischungsverbote für raumfremde Mächte. Als Großraum des Deutschen Reichs wurde an Mittel- und Osteuropa gedacht, anknüpfend an die Anmaßung eines deutschen Schutzrechts für deutsche Volksgruppen fremder Staatsangehörigkeit.

    An die Stelle des damaligen Kriegsbegriffs (Kombattanten-Krieg, Schutz der Zivilbevölkerung) setzte das nationalsozialistische Völkerrecht den Begriff des "totalen Kriegs", in dem sämtliche Eingrenzungen fallen sollten, die das Völkerrecht der Kriegführung bisher gezogen habe: Der Krieg könne "total" in technischer, wirtschaftlicher und räumlicher Hinsicht sein im Hinblick auf Einsatz, Vernichtung, Feindbild und das eigene Volk ("Daseinskampf eines Volkes").

    Das nationalsozialistische Deutschland beging zahllose Völkerrechtsbrüche, z. B. die Aufrüstung, die im Widerspruch zum Versailler Vertrag stand; die Okkupation Österreichs und der Tschechoslowakei; die Führung von Angriffskriegen, die insbesondere gegen den Kellogg-Pakt von 1928 verstieß. V. a. ist auf die jedes Völkerrecht ignorierende Behandlung der Kriegsgefangenen und der Zivilbevölkerung in den besetzten Gebieten zu verweisen (Besatzungspolitik), die im Mordprogramm der Einsatzgruppen und der Endlösung gipfelte.