Venlo-Zwischenfall

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Geheimdienstaffäre nach dem Polenfeldzug im Oktober/November 39. Zunächst nur zur Ausforschung des Secret Service in den Niederlanden gedachte Kontakte des als Mitglied des militärischen Widerstands getarnten SS-Obersturmbannführers Schellenberg führten nach dem Bürgerbräu-Attentat am 9. 11. zum Venlo-Zwischenfall: Da weder Hitler noch Himmler an eine Alleintäterschaft des Bombenlegers Elser glauben mochten und Hintermänner im britischen Geheimdienst vermuteten, erhielt Schellenberg Auftrag, seine englischen Kontaktleute an die deutsche Grenze zu locken. Dort warteten hinter dem Schlagbaum SS-Sturmbannführer Naujocks und ein Eingreifkommando. Nach kurzem Feuergefecht wurden zwei britische Agenten, Captain Best und Major Stevens, sowie ein niederländischer Kollege über die Grenze verschleppt. Zwar gaben ihre Aussagen für die Hintermännertheorie nichts her, doch bot beim deutschen Angriff im Westen (10. 5.40) der Beweis niederländisch-britischer "Konspiration gegen das Reich" Hitler den Vorwand, die Niederlande der "flagrantesten Verletzung ihrer primitivsten Neutralitätspflichten" zu bezichtigen und den deutschen Überfall damit zu motivieren. Schellenberg wurde zum SS-Standartenführer befördert, die Engländer blieben bis Kriegsende in KZ-Haft.