Vierjahresplan

    Aus Lexikon Drittes Reich

    umfassendes nationalsozialistisches ökonomisches Programm zur rüstungsorientierten Lenkung der Wirtschaft. In der Propaganda wurde die Phase von der Machtergreifung bis 1936 rückwirkend als 1. Vierjahresplan bezeichnet, nachdem Hitler auf dem Reichsparteitag 1936 den eigentlichen Vierjahresplan verkündet hatte, der mit Verordnung vom 18. 10. 36 anlief. Im Zeichen forcierter Aufrüstung musste die deutsche Wirtschaft auf eine "Kriegswirtschaft im Frieden" ausgerichtet werden. Auslöser für die – über die Steuerung des Außenhandels hinausgehende – Wirtschaftsplanung war eine schwere Versorgungskrise im Sommer 36. Der Mangel an Rohstoffen und Nahrungsmitteln sowie Engpässe bei den rüstungswichtigen Treibstoffen machten eine Entscheidung über das weitere Tempo der Rüstungspolitik notwendig. Um den Lebensstandard nicht senken zu müssen, wollte man die Produktion straffen und sich auf die rüstungswichtigen Produkte konzentrieren (Rohstoffwirtschaft).

    Die wichtigsten Ziele des Vierjahresplans hatte Hitler in einer geheimen Denkschrift vom August 36 dargelegt. Danach könne die Aktivierung aller wirtschaftlichen Kräfte nur eine "vorübergehende Entlastung" schaffen, eine "endgültige Lösung" im Sinne der Autarkie sei "nur in einer Erweiterung des Lebensraums bzw. der Rohstoff- und Ernährungsbasis" zu erreichen. Hitler forderte: "I. Die deutsche Armee muß in vier Jahren einsatzfähig sein. II. Die deutsche Wirtschaft muß in vier Jahren kriegsfähig sein." Zur Erfüllung dieser aggressiv-expansiven Vorstellungen wurde eine rücksichtslose Mobilisierung der Wirtschaft verlangt.

    Der Vierjahresplan konzentrierte sich auf die Kontingentierung wichtiger Rohstoffe, auf Planung und Lenkung des Arbeitseinsatzes, der Lohn-Preis-Politik, der Investition sowie des Verbrauchs. Mit der Durchführung des Vierjahresplans wurde der Nichtfachmann Göring betraut. Als "Beauftragter für den Vierjahresplan" hatte er weitgehende Vollmachten, aufgrund des Kompetenzwirrwarrs kam es zu häufigen Konflikten, v. a. mit Schacht. Das unkoordinierte System von Sonderbeauftragten ließ den Vierjahresplan zu einem Konglomerat vieler Einzelmaßnahmen und Teilplanungen werden, so dass die Vierjahresplan-Investitionen bis zum Krieg um 40 % hinter den Planzielen zurückblieben. Trotz der Misserfolge bei der Planerfüllung hat der Vierjahresplan eine erhebliche Veränderung der Wirtschaftsstruktur zugunsten der Produktionsgüterindustrie bewirkt, deren Investitionsvolumen 1939 um 250 % über dem Boomjahr 1928 lag. Obwohl der Vierjahresplan den Anspruch einer umfassenden Planung besaß, ist es jedoch nie zu einer Planwirtschaft im engeren Sinn gekommen. In der Endphase des Vierjahresplans bis zum Eintritt in die totale Kriegswirtschaft bekam v. a. der I. G. Farben-Konzern immer mehr Einfluss auf die Vierjahresplan-Organisation. Das Scheitern des Blitzkriegs-Konzepts ab Ende 41 offenbarte die Schwächen des Vierjahresplans; die Planung wurde daraufhin unter Speer völlig neu zentralisiert.