Volksdeutsche

    Aus Lexikon Drittes Reich

    nationalsozialistische Bezeichnung für außerhalb der Reichsgrenzen lebende Personen deutscher Abstammung, die im Unterschied zu den Auslandsdeutschen nicht die deutsche Staatsangehörigkeit hatten. Sie mussten "deutschen oder artverwandten Blutes" sein, "die deutsche Sprache sprechen und sich willensmäßig zur deutschen Volks- und Kulturgemeinschaft bekennen". Unter Volksdeutsche wurden unterschiedlichste Gruppen, zusammengefasst von den z. T. schon seit dem Mittelalter in Südost- und Osteuropa ansässigen Deutschen über die im 19. Jahrhundert nach Übersee ausgewanderten bis zu den nach den Gebietsabtretungen im Versailler Vertrag zwangsweise fremder Staatsangehörigkeit zugeteilten ehemaligen Reichsbürgern, die in den Gastländern z. T. Minderheiten mit erheblichem politischen Gewicht bildeten. Die Verbindung zwischen dem Reich und den Volksdeutschen hielten Vereine wie der Volksbund für das Deutschtum im Ausland und ab 1936 v. a. die Volksdeutsche Mittelstelle (Vomi).

    Die oft schwierige Lage der so genannten Volksdeutschen wurde etwa in der Sudetenkrise oder im Polenfeldzug von der nationalsozialistischen Propaganda gern zur Begründung für die aggressive Politik des Dritten Reichs genutzt, spielte hingegen keine Rolle, wenn die Probleme wie z. B. in Südtirol oder in den Baltischen Staaten nach dem Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffsvertrag nicht in die politische Landschaft passten. Die Baltendeutschen wurden als erste Volksdeutschengruppe umgesiedelt, wie später ca. 900 000 weitere "Volksdeutsche". Dabei wurde die "Heim-ins-Reich"-Parole ausgegeben, die de facto aber meist Ansiedlung in den deutsch besetzten Gebieten (z. B. Warthegau) und bei Kriegsende Vertreibung bedeutete. Sie traf auch die meisten nicht umgesiedelten Deutschen, insgesamt etwa sieben Millionen, von denen eine Million dabei ums Leben kamen.