Volksempfinden

    Aus Lexikon Drittes Reich

    fast ausschließlich in der Verbindung "gesundes Volksempfinden" benutztes Schlagwort zur Diffamierung moderner, sozialkritischer und sozialistischer Kunst, die angeblich im Widerspruch zum Volksempfinden stehe: Nach 1933 wurde das "gesunde Volksempfinden" sogar zur Kategorie der Rechtspflege, da seit der Novellierung des Strafgesetzbuches vom 28. 6. 35 nicht nur ein Rechtsbruch "nach dem Grundgedanken eines Strafgesetzes" unter Strafandrohung gestellt wurde, sondern jegliches Handeln, das "nach dem gesunden Volksempfinden Bestrafung verdient". Da das "gesunde Volksempfinden" nicht mit einem "tatsächlichen Volksempfinden" verwechselt werden durfte, sollten Gerichte die "autoritären Willenskundgebungen des Führers" zum letztgültigen Maßstab machen: "Ob das Empfinden gesund ist, das muss an Hand der Maßstäbe und Leitsätze geprüft werden, die der Führer selbst in wichtigen Lebensfragen des Volkes vielfach dem Volke gegeben hat" (Freisler).