Volksfront

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Bezeichnung für das politische Bündnis von Linksparteien unter Einschluss der Kommunisten, die anders als in der Einheitsfront auf einen automatischen Führungsanspruch verzichten. Die Bereitschaft zur Volksfront wuchs auf Seiten der Kommunisten entscheidend nach den Erfahrungen mit der nationalsozialistischen Machtergreifung in Deutschland, die den Kampf gegen den angeblichen "Sozialfaschismus" der SPD als tragischen Irrtum entlarvt hatte. Am 27. 7. 34 kam es in Frankreich zu einem Aktionsbündnis zwischen Sozialisten und Kommunisten "gegen Faschismus und Krieg", das im folgenden Jahr nach dem französisch-sowjetischen Vertrag (Mai 35) durch Beitritt der bürgerlichen Radikalen Partei zur Volksfront ausgeweitet wurde (10. 1. 36 gemeinsames Programm). Von Seiten der Kommunisten wurde der Volksfrontkurs durch den 7. Weltkongress der Komintern (25. 7.-20. 8. 35) abgesegnet, führte aber nach dem Wahlsieg der Linken in Frankreich im Mai 36 dennoch nicht zur Regierungsbeteiligung der KPF, die nur zur Tolerierung der Regierung Blum bereit war. Die französische Volksfront zerbrach schließlich 1938 an der Weigerung Blums, im Spanischen Bürgerkrieg zu intervenieren, obwohl es dabei um Hilfe für eine andere Volksfrontregierung ging: Im Sommer 35 hatten sich in Spanien acht Parteien zu einer Volksfront zusammengeschlossen, am 15. 2. 36 die Wahl gewonnen und am 18. 7. 36 eine Regierung gebildet, gegen die sich die Revolte Francos richtete. Nach dessen Sieg und nach dem Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffsvertrag vom 23. 8. 39 verlor das Volksfrontkonzept erheblich an Kredit. 1945 nutzten es die Sowjets noch einmal in der Antifaschistisch-demokratischen Ordnung in ihrer Besatzungszone zur Vorbereitung der totalen kommunistischen Herrschaft.