Volksgenosse

    Aus Lexikon Drittes Reich

    (auch: -genossin), im Dritten Reich in der nationalsozialistischen Propaganda, in Reden, in Appellen und Gesetzen ständig gebrauchte Anrede, durch die Gemeinschaftsgefühle betont und soziale wie Standesunterschiede aufgehoben werden sollten. Sprachgeschichtlich wurde Volksgenosse zunächst nur im Sinne von Landsmann, Bürger des gleichen Landes, gebraucht. Im Ersten Weltkrieg sollte dann die Bezeichnung Volksgenosse den gemeinsamen Einsatz für das Vaterland betonen: "In diesem Kriege ... stehen Millionen Volksgenossen im Felde" (Wilhelm II., 1917). Von völkisch-nationalen Kreisen wurde seit Anfang des 20. Jahrhunderts "Volksgenosse" als rassistischer, positiver Begriff gegen "fremd- und andersvölkische Menschen" gesetzt. Diese völkische Bedeutung zusammen mit einer revolutionär-sozialistischen (durch die in der Arbeiterbewegung und den Arbeiterparteien übliche Praxis der gegenseitigen Anrede mit "Genosse") lag für die Nationalsozialisten v. a. im Wort Volksgenosse: "Staatsbürger kann nur sein, wer Volksgenosse ist. Volksgenosse kann nur sein, wer deutschen Blutes ist, ohne Rücksicht auf Konfession. Kein Jude kann daher Volksgenosse sein" (Punkt 4 des Parteiprogramms vom 24. 2. 20). Durch den übermäßig häufigen Gebrauch des Worts verlor sich jedoch allmählich die politisch-ideologische Bedeutung, so dass Volksgenosse zu einer der typischen Leerformeln des Dritten Reichs wurde.