Volksgesetzbuch

    Aus Lexikon Drittes Reich

    (VGB), im Rahmen der Rechtsreform von den Nationalsozialisten geplante Neufassung des Bürgerlichen Rechts (Privatrechts), die aber scheiterte. Ausgehend von der Abneigung gegen das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) und dem darin zum Ausdruck kommenden Liberalismus, der in den Augen der Nationalsozialisten einseitig die Willensherrschaft des Individuums betonte, wollten die Nationalsozialisten ein Gesetzeswerk schaffen, das – in volkstümlicher Sprache – die Entfaltung des völkischen Rechtslebens ermöglichte und dem Gemeinschaftsgedanken Vorrang gebe. Geburtsstätte des Vorhabens war die Akademie für Deutsches Recht unter H. Frank. 1933 erstmals erwähnt, begann die eigentliche Arbeit am Volksgesetzbuch 1939. Mit Kriegsbeginn aber entstanden Schwierigkeiten, das Gesetzeswerk zu verwirklichen. Neben Unstimmigkeiten zwischen Akademie, Reichsjustizministerium und Hitler war v. a. die Stofffülle ein Problem. Der Anspruch, ein volksnahes Gesetzbuch mit weniger Paragraphen als das BGB zu schaffen, das dennoch das Rechtsleben der völkischen Gemeinschaft umfassend regelte, erwies sich als kaum einlösbar. Als Thierack 1942 Reichsjustizminister wurde, trat die Arbeit am Volksgesetzbuch hinter der Justizreform zurück. Als einziger Teil wurde Ende 42 der 1. – Grundregeln und Buch I – veröffentlicht, verfasst von Hedemann, Siebert und Lehmann, drei führenden deutschen Privatrechtlern. Thierack stellte aber bald klar, dass das Volksgesetzbuch vor Beendigung des Kriegs nicht mehr den Weg der Gesetzgebung ginge.