Volkssturm

    Aus Lexikon Drittes Reich

    durch Führererlass vom 25. 9. 44 aufgestellte Truppe aus bisher nicht eingezogenen Männern zwischen 16 und 60 Jahren zur Verteidigung des "Heimatbodens".

    Nach Beschwörung der deutschen Siege 1939-41 wurde für den "zweiten Großeinsatz unseres Volkes" festgelegt, dass die Gauleiter als Reichsverteidigungskommissare für die Aufstellung und Führung des Volkssturm verantwortlich seien, dass die Partei mit ihren Gliederungen jede Hilfe zu leisten habe, dass Reichsführer SS Himmler die militärische und Reichsleiter Bormann die politische und organisatorische Leitung übernehme.

    Betroffen waren rund sechs Millionen Männer, die in drei Aufgeboten einberufen wurden:

    1. alle bisher aus Alters- oder Gesundheitsgründen vom Waffendienst freigestellten Männer der Jahrgänge 1884-1924, Durchschnittsalter 52 Jahre; #aus beruflichen Gründen bisher unabkömmliche Wehrpflichtige;#die Jahrgänge 1925-28, die in Wehrertüchtigungslagern der HJ oder vom Reichsarbeitsdienst militärisch geschult sein sollten. Im Übrigen machte gerade die Schulung Schwierigkeiten, weil durch den Kriegsaderlass die Arbeitszeit der meisten für den Volkssturm vorgesehenen Männer auf über 70 Wochenstunden gestiegen war und weil es an Waffen und mehr noch an Munition fehlte. Dieser Mangel ließ sich nicht mehr überwinden, so dass der Kampfwert der Volkssturm-Einheiten auch bei persönlicher Tapferkeit meist minimal blieb. Sie kämpften mit Beutewaffen und einem eigens entwickelten materialsparenden "Volksgewehr", mit Panzerfaust - und v. a. mit Hacke und Spaten: Panzersperrenbau, Schanzarbeiten an der Front, Errichtung von Notunterkünften.

    Doch hatten die Männer des Volkssturm Kombattantenstatus und teilten bei Gefangennahme das Schicksal der regulären Soldaten oder erlitten gar Schlimmeres, weil sie nicht selten mit ihren feldgrau umgefärbten Parteiuniformen und der Armbinde: "Deutsche Volkssturm-Wehrmacht" für Partisanen gehalten wurden. Vor allem im Osten waren die Verluste groß: Meist in unmittelbarer Heimatgegend eingesetzt, verteidigten sich viele Volkssturm-Einheiten mit dem Mut der Verzweiflung gegen die Rote Armee. Im Westen dagegen fehlte die panische Angst vor dem Gegner. Insgesamt erwies sich der Einsatz des Volkssturm als zwecklos und unverantwortlich. Das letzte Aufgebot des geschlagenen nationalsozialistischen Reichs verblutete: Zehntausende fielen, 175 000 wurden nach dem Krieg in den Vermisstenkarteien geführt.