Walter Ernst Paul Ulbricht

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher Politiker

    geboren: 30. Juni 1893 in Leipzig gestorben: 1. August 1973 in Berlin


    Möbeltischler, 1912 SPD-Beitritt, 1919 zur KPD, 1920 hauptamtlicher Parteifunktionär, 1928-33 MdR. Ulbricht, der sich flexibel den jeweils herrschenden Strömungen in der Partei anzupassen verstand, war 1929-33 Leiter des KPD-Bezirks Berlin-Brandenburg und damit direkter Gegenspieler des Berliner Gauleiters der NSDAP Goebbels, mit dem er trotz zahlreicher Straßenschlachten beim Berliner Verkehrsarbeiterstreik (November 32) gemeinsame Sache machte. Das bewahrte ihn 1933 natürlich nicht vor Verfolgung und zwang ihn zur Emigration zunächst nach Frankreich und 1937 in die Sowjetunion. Im Krieg agitierte Ulbricht in Gefangenenlagern gegen Hitler, war beteiligt am Aufbau des Nationalkomitees "Freies Deutschland" und kehrte am 30. 4. 45 an der Spitze der Gruppe Ulbricht nach Berlin zurück, um die Verwaltung und politische Ausrichtung der sowjetischen Besatzungszone zu organisieren. Ulbricht leitete die Fusion von SPD und KPD zur SED ein, die er 1950-71 führte, und war zwei Jahrzehnte lang mächtigster und unbeliebtester Mann der neu gebildeten DDR. Er überstand den Volksaufstand des 17. Juni 53 ebenso wie die Entstalinisierung und erreichte mit dem Mauerbau in Berlin am 13. 8. 61 ein Ende der Massenabwanderung in den Westen. Die so stabilisierte DDR koppelte er dabei von der deutschen Geschichte ab, indem er die "kapitalistische" Bundesrepublik zum Alleinerben der nationalsozialistischen Schuld ernannte, ihren politischen Alleinvertretungsanspruch gleichwohl vehement bestritt.