Walter Schellenberg

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher Geheimagent

    geboren: 16. Januar 1910 Saarbrücken gestorben: 31. Februar 1952 Turin


    zunächst Medizin-, dann Jurastudium, Mai 33 NSDAP- und SS-Beitritt, Sommer 34 im SD-Hauptamt, 1937 Regierungsrat. Schellenberg war maßgeblich beteiligt an der Zusammenfassung aller sicherheitspolizeilichen Stellen mit dem SD zum Reichssicherheitshauptamt (RSHA), in dem er 1939 die Amtsgruppe IVE (Spionageabwehr Inland) als SS-Obersturmbannführer übernahm. Für seine Verdienste bei der Entführung britischer Agenten aus den Niederlanden beim Venlo-Zwischenfall (9. 11. 39) wurde er zum SS-Standartenführer befördert und erhielt den Auftrag, sicherheitspolizeiliche Maßnahmen für eine eventuelle deutsche Invasion in Großbritannien vorzubereiten. Ende 41 wurde Schellenberg Leiter des Amts VI (Auslandsnachrichtendienst) im RSHA und SS-Brigadeführer, zerschlug die Widerstands- und Spionageorganisation Rote Kapelle, hatte wesentlichen Anteil an der Entmachtung der Abwehr und verhaftete persönlich Canaris. Bei sich abzeichnender Niederlage förderte Schellenberg Pläne Himmlers zu separaten Kapitulationskontakten mit den Westmächten und sorgte in diesem Zusammenhang für die Freilassung zahlreicher Häftlinge. Das wurde ihm im Prozess vor dem IV. Militärgerichtshof in Nürnberg mildernd angerechnet, so dass es, u. a. wegen Beihilfe zum Mord an sowjetischen Kriegsgefangenen, am 11. 4. 49 nur zu sechsjähriger Freiheitsstrafe kam, die schon im Dezember 50 mit Begnadigung endete.