Walther Funk

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher Politiker

    geboren: 18. Februar 1890 in Trakehnen gestorben: 31. Mai 1960 in Düsseldorf


    Studium der Rechte, Wirtschaftswissenschaften und Philosophie, seit 1912 Redakteur, 1922-30 Chefredakteur der konservativen "Berliner Börsenzeitung". 1931 trat Funk, ein überzeugter Antimarxist und Nationalist, in die NSDAP ein und avancierte rasch zu Hitlers persönlichem Wirtschaftsberater. In dieser Funktion erwies sich Funk als wertvoller Mittler zwischen Hitler und maßgeblichen Kreisen der Industrie, die einen Großteil ihrer Spenden der NSDAP durch Funk, der als gemäßigter Nationalsozialist galt, zufließen ließ. Damit wollten die Spender den wirtschaftsliberalen Flügel innerhalb der Partei stärken.


    Am 30. 1. 33 wurde Funk Pressechef der Reichsregierung und am 11. 3. 33 Unterstaatssekretär im Propagandaministerium; daneben nahm er zahlreiche Funktionen in der Kontrolle des nationalsozialistischen Kulturwesens wahr (u. a. Vizepräsident der Reichskulturkammer, Vorsitzender des Ausschusses der deutschen Reichssender) und war schon früh an der Planung zur wirtschaftlichen Entrechtung der Juden (Arisierung) beteiligt. Als Nachfolger Schachts in den Ämtern des Reichswirtschaftsministers und Generalbevollmächtigen für die Kriegswirtschaft (1938) und als Reichsbankpräsident (1939) war er mitverantwortlich für die Ausbeutung der besetzten Gebiete; so ließ er z. B. die Goldreserven der Tschechoslowakischen Nationalbank beschlagnahmen und war Präsident der Kontinentalen Öl-Gesellschaft, deren Aufgabe die Ausbeutung der Ölquellen in den besetzten Ostgebieten war. Zudem hatte Funk 1942 mit Himmler ein Geheimabkommen getroffen, aufgrund dessen die Reichsbank Bargeld, Gold, Schmuck und andere Wertsachen aus dem Besitz deportierter und ermordeter Juden für die SS einlagerte. 1943 wurde Funk Mitglied der Zentralen Planung, die u. a. den Einsatz deportierter Zwangsarbeiter aus den besetzten Gebieten in der deutschen Industrie organisierte.

    Wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit wurde Funk am 1. 10. 46 im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher zu lebenslanger Haft verurteilt; dabei wurde die Tatsache berücksichtigt, dass er zwar hohe Positionen innegehabt hatte, aber nie eine beherrschende Figur der nationalsozialistischen Politik gewesen war. 1957 wurde er wegen Krankheit aus der Haftanstalt Spandau entlassen.