Wannseekonferenz

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Besprechung am 20. 1. 42 in Berlin (in einem Gebäude der Kripo, Am Großen Wannsee 56/58) zwischen dem Chef der Sicherheitspolizei und des SD Heydrich und Vertretern von Ministerien, Parteidienststellen und SS-Ämtern über die Durchführung der Endlösung der "europäischen Judenfrage". Nachdem Heydrich am 31. 7. 41 von Göring zum Beauftragten für die Vorbereitung der "Gesamtlösung der europäischen Judenfrage" bestellt worden war, lud er zur Wannseekonferenz Vertreter des Reichsministeriums für die besetzten Ostgebiete, des Reichsinnenministeriums, des Beauftragten für den Vierjahresplan, des Generalgouverneurs, des Auswärtigen Amts, der Parteikanzlei, der Reichskanzlei, des Rasse- und Siedlungshauptamts, des Reichssicherheitshauptamts, der Befehlshaber der Sipo und des SD für das Reichskommissariat Ostland und im Generalgouvernement, um die geplanten Maßnahmen mit diesen an der Endlösung unmittelbar beteiligten Zentralinstanzen abzustimmen.

    Heydrich gab zunächst einen Überblick über die bisherigen Maßnahmen gegen die Juden und stellte abschließend fest, dass trotz zahlreicher Schwierigkeiten bis zum 31. 10. 41 rund 537 000 Juden zur Auswanderung (vermutlich inklusive Deportationen) gebracht worden seien, davon aus dem "Altreich" rund 360 000, aus der "Ostmark" (Österreich) rund 147 000 und aus dem Protektorat rund 30 000. An die Stelle der Auswanderung sei nun die Evakuierung der Juden nach dem Osten getreten, die jedoch nur eine Zwischenlösung bis zur kommenden Endlösung darstelle, für die schon praktische Erfahrungen gesammelt würden. Rund elf Millionen Juden kämen für diese Endlösung in Frage, die so aussehen solle: "Unter entsprechender Leitung sollen ... die Juden in geeigneter Weise im Osten zum Arbeitseinsatz kommen. In großen Arbeitskolonnen, unter Trennung der Geschlechter, werden die arbeitsfähigen Juden straßenbauend in diese Gebiete geführt, wobei zweifellos ein Großteil durch natürliche Verminderung ausfallen wird. Der allfällig verbleibende Restbestand wird, da es sich bei diesem zweifellos um den widerstandsfähigsten Teil handelt, entsprechend behandelt werden müssen, da dieser, eine natürliche Auslese darstellend, bei Freilassung als Keimzelle eines neuen jüdischen Aufbaus anzusprechen ist ..."

    Als wichtigste Voraussetzung für die Evakuierung bezeichnete Heydrich die genaue Festlegung der in Betracht kommenden Personenkreise. Grundlage hierfür seien die Nürnberger Gesetze. Für die "restlose Bereinigung des Problems" sei auch die Lösung der Mischehen- und Mischlingsfrage von grundsätzlicher Bedeutung, die er zur Diskussion stellte. Staatssekretär Stuckart vom Reichsinnenministerium und SS-Gruppenführer Hofmann vom RuSHA schlugen aus biologischen Gründen Zwangssterilisation vor. Ein Beschluss wurde insoweit nicht gefasst. Nach Erörterung über die Durchführung der Endlösung in den einzelnen europäischen Ländern erklärte Staatssekretär Bühler vom Amt des Generalgouverneurs, man würde es begrüßen, wenn die 2,5 Millionen Juden so schnell wie möglich aus dem Generalgouvernement entfernt würden; abgesehen davon, dass sie als "Seuchenträger" eine eminente Gefahr darstellten, sei die Mehrzahl nicht arbeitsfähig. Abschließend wurden die Möglichkeiten besprochen, "gewisse vorbereitende Arbeiten im Zuge der Endlösung gleich in den betreffenden Gebieten selbst durchzuführen, wobei eine Beunruhigung der Bevölkerung vermieden werden müsse".