Wapniarka

    Aus Lexikon Drittes Reich

    unter rumänischer Leitung stehendes KZ in Transnistrien (UdSSR), zwischen den Flüssen Dnjestr und Bug an der Bahnlinie Schmerinka-Odessa gelegen. Am 16. 9. 42 wurden etwa 1 200 Männer und Frauen (auch Jugendliche bis 15 Jahre) – in der Mehrzahl rumänische Juden – in Wapniarka eingeliefert. Die Häftlinge standen unter der Bewachung von rumänischen Gendarmen und mussten verschiedene Arbeiten verrichten (Be- und Entladen von Güterwaggons u. a.). Die Verpflegung bestand neben etwas Gerstenbrot v. a. aus gekochten Lathyrus-Futtererbsen, einer giftigen Hülsenfrucht, die den schon seit dem 17. Jahrhundert in Mitteleuropa bekannten "Lathyrismus" verursacht, eine v. a. mit Lähmungserscheinungen verbundene Krankheit. Nach etwa sechswöchigem Genuss dieser Futtererbsen zeigten sich bei den Häftlingen Darmstörungen, schmerzhafte Kontraktionen der Arm-, Bein-, Bauch- und Rückenmuskulatur verbunden mit Störungen der Blasenfunktion (u. a. Urinsperre) sowie Blutdrucksteigerung, Störungen der Fußgefäßzirkulation und schließlich schwere Lähmungserscheinungen. Mehrere Insassen von Wapniarka starben daran.

    Am 16. und 30. 1. und am 22. 2. 43 wurde der Krankheitszustand der Häftlinge von Ärztekommissionen überprüft. Die Verpflegung mit den Futtererbsen war möglicherweise von vornherein als Ernährungs- oder medizinisches Experiment geplant.

    Vor dem Eintreffen des genannten Transports vom 16. 9. 42 sollen in Wapniarka etwa 900 rumänische Juden aus früheren Deportationen exekutiert worden sein. Im März 44 soll das Lager – Zeugenaussagen zufolge – aufgelöst worden sein. Viele der Überlebenden wanderten nach dem Krieg nach Israel aus, wo die meisten an den Spätfolgen des Lathyrismus in dauerndes Siechtum (Lähmungen der Gliedmaßen, Verkrüppelungen, Herz- und Lungenleiden) verfielen. Durch private und kirchliche Hilfswerke der Bundesrepublik wurden diese "Wapniarka-Kranken" nach Bekanntwerden ihres Schicksals unterstützt.