Wilhelm Furtwängler

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher Dirigent

    geboren: 25. Januar 1886 in Berlin gestorben: 30. November 1954 in Ebersteinburg (heute: Baden-Baden)


    Kapellmeister in Straßburg, Lübeck, Mannheim, Wien; 1922-45 und wieder von 1947 an Dirigent der Berliner Philharmoniker, 1922-28 zugleich des Leipziger Gewandhausorchesters, 1931 musikalischer Leiter der Bayreuther Festspiele, 1933 Direktor der Berliner Staatsoper; gab international "Furtwängler-Konzerte" und produzierte zahlreiche Plattenaufnahmen; 1947 erster Nachkriegsauftritt in Wien beim Mendelssohn-Gedächtnis-Konzert; bevorzugte Komponisten: Bach, Haydn, Mozart und daneben besonders Beethoven und die Romantiker sowie R. Strauss und Hindemith.

    Furtwängler, 1933 von Göring zum Preußischen Staatsrat ernannt, diente mit seinem musikalischen Weltruhm der nationalsozialistischen Kulturpropaganda als Aushängeschild und wurde Vizepräsident der Reichsmusikkammer. Sein Beharren auf künstlerischer Selbständigkeit führte im November 34 zu offenem Konflikt mit Goebbels, da Furtwängler an dem als "entartet" verfemten Hindemith festhielt. Furtwängler legte aus Protest am 4. 12. 34 vorübergehend alle Ämter nieder, arrangierte sich dann aber mit der Partei und erhielt erheblichen künstlerischen Freiraum, so dass es ihm auch gelang, die jüdischen Mitglieder seines Orchesters zu schützen. Furtwängler wurde 1945 in einem Entnazifizierungsverfahren freigesprochen.