Wilhelm II. (Deutschland)

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher Kaiser und König von Preußen

    geboren: 27. Januar 1859 in Berlin gestorben: 4. Juni 1941 auf Schloss Doorn (Niederlande)


    Der von starkem monarchischen Sendungsbewusstsein durchdrungene Wilhelm geriet nach der Thronbesteigung rasch in Konflikt mit dem Reichsgründer Bismarck, der im Innern seinem Popularitätsdrang (sozialpolitische Scheinprogressivität) entgegenstand und es nach außen nach Wilhelms Meinung an selbstbewusstem Auftreten fehlen ließ. Die Nach-Bismarck-Ära war dann auch gekennzeichnet von sozialpolitischen Rückzügen und konzeptlos-martialischem Auftreten. Konnten die innenpolitischen Gegensätze noch durch eine relative Prosperität unter Kontrolle gehalten werden, so führte das außenpolitische Draufgängertum (Flottenrüstung, wechselnde Annäherungen, "Nibelungentreue" zu Wien, naive Taktlosigkeiten) zur außenpolitischen Isolierung des Reichs und in den Ersten Weltkrieg. Nach dem Sturz der Monarchie ging Wilhelm am 10. 11. 18 ins holländische Exil, dankte am 28. 11. 18 ab und setzte auf baldige Restauration in Deutschland. V. a. vom nationalsozialistischen Aufstieg erhoffte er sich die Rückberufung (Januar 31 und Mai 32 Besuche Görings in Doorn), musste aber nach Hindenburgs Tod (2. 8. 34) diese Illusion begraben und sprach vom Dritten Reich fortan nur als "Mostrichrepublik" ("braun und scharf"). Beim Einmarsch deutscher Truppen in Holland 1940 war höheren Offizieren der Kontakt mit Wilhelm untersagt, dem aber militärische Ehren bei der Beisetzung gewährt wurden. Den heutigen Leser der Reden und Notizen Wilhelms erstaunt die Ähnlichkeit mit Hitlers Simplifizierungen, nur waren sie im Gegensatz zum Diktator beim Kaiser bloße Pose.