Wirtschafts-Verwaltungshauptamt

    Aus Lexikon Drittes Reich

    (Abkürzung WVHA), Ressort in der SS-Führung. Die Verwaltungsgeschäfte der SS wurden ursprünglich von einem dem SS-Hauptamt unterstellten Verwaltungsamt bearbeitet, das in seinem Kern bis auf das Jahr 1929 zurückging. Chef dieses Amts war seit dem 1. 2. 34 Pohl. Die Ausdehnung der Verwaltungszuständigkeit auch auf die bewaffneten SS-Verbände führte dazu, dass Pohl zum 1. 6. 35 unter Beibehaltung seiner bisherigen Dienststellung zum "Verwaltungschef der SS" im Persönlichen Stab RFSS berufen wurde. Er unterstand damit Himmler unmittelbar und war Vorgesetzter auch der Verwaltungsämter des RuSHA und SD-Hauptamtes. Zugleich wickelte er als "Reichskassenverwalter der SS" die Etatgeschäfte mit dem Reichsschatzmeister der NSDAP ab. Zum 20. 4. 39 wurde die Dienststelle des Verwaltungschefs zum "Hauptamt Verwaltung und Wirtschaft" erhoben, das nun weitgehend auch die Aufgaben des Verwaltungsamts im SS-Hauptamt übernahm. Da das neue Hauptamt neben den Haushaltszuwendungen der Partei auch die staatlichen Etatmittel des Reichsinnenministeriums (für die bewaffneten SS-Verbände) verwaltete, firmierte es mit Bezug auf letztere als "Hauptamt Haushalt und Bauten". Zum 1. 2. 42 wurden beide Hauptämter zusammen mit dem noch bestehenden Verwaltungsamt zum Wirtschafts-Verwaltungshauptamt zusammengefasst, dessen Chef wiederum Pohl wurde.

    Die neue Mammutbehörde, die eine Personalstärke von zeitweise über 1 500 Mann erreichte, gliederte sich in fünf Amtsgruppen (Agr.):

    • Das Truppenverwaltungsamt (Agr. A) war für das Kassen-, Besoldungs-, Finanz- und Prüfungswesen, ferner für die Haushaltsgestaltung der SS zuständig;*die Agr. B (Truppenwirtschaft) bearbeitete das Verpflegungs-, Bekleidungs-, Unterkunfts- und Beschaffungswesen. Standen hier v. a. die wachsenden Anforderungen der Waffen-SS im Vordergrund, so spiegelten die übrigen drei Agr. die weitgesteckten ökonomischen Ambitionen der SS:
    • Die Agr. C (Bauwesen) etwa zeichnete nicht nur für den Bau von Dienst- und Wohngebäuden, Kasernen und Lagerbauten verantwortlich, sondern war auch an Sonderprogrammen wie dem Bau der V-Waffen und der Anlage unterirdischer Fertigungsstätten für die Rüstungsindustrie beteiligt. *Die zum 3. 3. 42 vollzogene Eingliederung der Inspektion der Konzentrationslager in das WVHA (Agr. D) war die Antwort auf die stetig steigende Bedeutung der KZ als Wirtschaftsfaktor. Sie ermöglichte es der SS im Übrigen, den Arbeitseinsatz ihrer Häftlinge in eigener Regie, d. h. unter Umgehung des von Hitler neu ernannten "Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz", zu organisieren. *In engem Zusammenhang mit dem wachsenden Arbeitskräftepotential in den KZ stand der Aufschwung der SS-Wirtschaftsunternehmen, deren Administration der Agr. Wirtschaft des Wirtschafts-Verwaltungshauptamts unterstand. Diese eigentümliche Koppelung privatwirtschaftlicher und behördlicher Funktionen begründete freilich einen Sonderstatus dieser Agr. innerhalb des Wirtschafts-Verwaltungshauptamts: Es gab für sie weder einen eigenen Etat noch eigene Planstellen. Ihr Führungspersonal rekrutierte sich in der Regel aus den Vorständen der SS-eigenen Gesellschaften und bezog von diesen auch sein Gehalt.