Züchtung

    Aus Lexikon Drittes Reich

    im ursprünglichen Sprachgebrauch nur auf die planmäßige Vermehrung und eventuell Veredelung von Tieren und Pflanzen bezogener Begriff, den bereits Darwin auf den Menschen übertrug: "Mit Ausnahme des den Menschen betreffenden Falls ist kein Züchter so unwissend, dass er seine schlechtesten Tiere zur Nachzucht zulässt." In diesem Sinne übernahmen H. S. Chamberlain und die völkischen Theoretiker wie Lanz den Begriff Züchtung in ihre rassebiologischen Konzepte: "Rassezucht und Reinzucht wird und muss die einzige Religion und Kirche der Zukunft werden." Von den Nationalsozialisten wurde nach der Machtübernahme die "Wiedergeburt" der Nation "durch die bewusste Züchtung eines neuen Menschen" (Hitler) angestrebt. In der Viehzucht seien (nach Darré) "oft nur wenige edle Stammtiere nötig, um ganze Tierzuchten zu heben und den Zuchtergebnissen Edeleigenschaften zu vererben". Da auch der Mensch "naturgemäß gleichen Zuchtgesetzen unterworfen" sei, wollten nationalsozialistische Führer neben der "Ausscheidung der Schlechtesten" die künstliche Auslese der "blutsmäßig besten Deutschen", bemühte sich besonders Himmler schon ab 1932, in der SS eine "männliche rassische Auslese" zu sammeln.