Zersetzung

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Schlagwort der nationalsozialistischen Propaganda, mit dem besonders kritischer Intellekt diffamiert werden sollte. Ursprünglich nur in der Fachsprache der Bergleute und der Chemie üblich, wurde "Zersetzung" im 19. Jahrhundert in den Bereich des Geistigen übernommen und seitdem auf kritisches Denken bezogen, das man besonders durch jüdische Intellektuelle verkörpert sah: "Juden und Judengenossen ... arbeiten unermüdlich und auf allen äußerst radikalen Linken mitsitzend an der Zersetzung und Auflösung dessen, worin uns Deutschen bisher unser Menschliches und Heiliges eingefaßt schien" (E. M. Arndt 1848). Von den Nationalsozialisten wurde der Begriff Zersetzung in diesem Sinn popularisiert, häufig auch in der Verbindung "zersetzende Kritik" (neben Juden besonders auf Marxisten bezogen). Durch eine noch vor Kriegsausbruch erlassene "Verordnung über das Sonderstrafrecht im Kriege und bei besonderem Einsatz" vom 26. 8. 39 (RGBl I, S. 1 455) konnte jegliche Art von Kritik an politischen und militärischen Maßnahmen des Regimes als Wehrkraftzersetzung verfolgt werden.