Zusammenbruch

    Aus Lexikon Drittes Reich

    allgemein üblich gewordene Umschreibung für den politisch-moralischen Kollaps der nationalsozialistischen Herrschaft 1944/45 und damit für den Untergang des deutschen Einheitsstaats; im engeren Sinne Bezeichnung für die militärische Niederlage der deutschen Wehrmacht: An der Ostfront war die Rote Armee Ende Januar 45 an der Oder stehen geblieben und rüstete sich für den letzten Schlag. Im Südosten musste die ungarische Hauptstadt Budapest am 13. 2. nach vergeblichen Entsatzversuchen kapitulieren. Breslau war ab dem 15. 2. eingeschlossen und musste aus der Luft versorgt werden. Schwache deutsche Gegenangriffe in Pommern (Februar) und Niederschlesien (März) scheiterten ebenso wie sowjetische Versuche, den seit 10. 10. 44 von allen Landverbindungen abgeschnittenen Kurlandbrückenkopf zu zerschlagen. Königsberg kapitulierte am 9. 4., Wien fiel am 13. 4., zwei Tage später stellte die Rote Armee im Südosten bei St. Pölten ihren Vormarsch ein.

    Nach Eroberung von Pommern und Abschnürung der Danziger Bucht traten die Sowjets am 16. 4. an der Neiße und aus den Oder-Brückenköpfen zur Schlussoffensive an, am 20. 4. auch an der unteren Oder zur Eroberung Mecklenburgs. Am gleichen Tag begannen sie mit der Beschießung des Stadtzentrums von Berlin. Fünf Tage später vereinigten sich westlich von Berlin sowjetische Panzerverbände und vollendeten die Einschließung der Reichshauptstadt. Ein Entsatzversuch der 12. Armee (Wenck) von Westen her scheiterte bis 28. 4. Hitler war im Bunker unter der Reichskanzlei geblieben, wo er am 30. 4. Selbstmord beging, nachdem er Großadmiral Dönitz zu seinem Nachfolger ernannt hatte. Berlin kapitulierte am 2. 5., während sowjetische Panzerverbände in Rostock einrückten. Breslau hielt noch bis zum 6. 5. Als letzter Großverband der Wehrmacht kapitulierte die Heeresgruppe Kurland mit 208 000 Mann am 10. 5. 45.

    An der Südfront erreichten die Alliierten am 21. 4. 45 Bologna. Damit war der Weg in die Ebene des Po frei, den die Angloamerikaner drei Tage später auf breiter Front überschritten. Am 29. 4. kapitulierte die deutsche Heeresgruppe C mit zwei Armeen (250 000 Mann). Der Italienfeldzug hatte 47 000 Gefallene und 170 000 Verwundete gekostet.

    Im Westen kam die alliierte Gegenoffensive im Januar/Februar 45 nach dem Schock der Ardennenschlacht (Invasion) nur schwerfällig in Gang. Am 7. 3. fiel Köln und bei Remagen überschritt die 1. US-Armee den Rhein über eine intakt gebliebene Brücke, am 24. 3. folgte ein britischer Übergang bei Wesel. Bis 25. 3. hatten die Alliierten das gesamte linke Rheinufer erobert, schlossen vom 1. 4. an im Ruhrgebiet die Heeresgruppe B (Model) ein, die bis 18. 4. kapitulierte. Vier Tage später überschritt die 3. US-Armee die tschechische Grenze, am 30. 4. rückte die 7. US-Armee in München ein, am 19. 4. war Leipzig erreicht worden, und am 25. 4. hatten sich amerikanische Einheiten mit Truppen der Roten Armee bei Torgau an der Elbe berührt. Im Norden besetzten die Briten am 26. 4. Bremen, am 2. 5. Lübeck und Schwerin und am 3. 5. Hamburg. Am 4. 5. kapitulierten die deutschen Streitkräfte in Nordwestdeutschland und den Niederlanden. Drei Tage später wurde im Hauptquartier Eisenhowers in Reims und am 8. 5. im sowjetischen Hauptquartier in Berlin-Karlshorst die Bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht unterzeichnet. Der Zweite Weltkrieg in Europa war zu Ende, das Deutsche Reich nach Verhaftung der Regierung Dönitz (23. 5.) und Junideklaration (5. 6.) der Alliierten untergegangen. Deutschlands künftiges Schicksal wurde zwar einem Friedensvertrag vorbehalten, de facto aber im Potsdamer Abkommen bereits auf Dauer geregelt.