Zweiter Weltkrieg

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Von dem Historiker L. Dehio stammt die umstrittene Behauptung, "in der zusammenhängenden Kette der europäischen Hegemonialkriege" hingen die beiden Weltkriege "miteinander als zwei Akte desselben Dramas" zusammen; der Zweite Weltkrieg sei also so etwas wie eine – wenn auch radikalisierte – Folge und Fortsetzung des Ersten gewesen. Damit ist die Leitfrage nach Kontinuität oder Bruch in der deutschen Geschichte zwischen 1914 und 45 aufgeworfen. Sie muss auf drei Ebenen beantwortet werden: auf der der Kriegsziele, auf der ihrer Träger und auf der ihrer politisch-militärischen Durchsetzung.

    Schon räumlich sprengte die nationalsozialistische Zielprojektion alle Dimensionen einer relativ begrenzten, traditionellen Revisions- und nationalstaatlichen Hegemonialpolitik, selbst wenn man die an sich schon sehr weiträumigen Kriegszielplanungen des kaiserlichen Deutschland etwa in Russland, in Frankreich und in Mittelafrika zum Vergleich heranzieht: Nach der militärischen Niederringung der Sowjetunion sollte ein deutsch beherrschter kontinentaleuropäischer "Lebensraum" von der Biskaya bis zum Ural die Versorgungsbasis für den als Fernziel anvisierten Endkampf gegen die USA um die Weltvorherrschaft abgeben. Wieder – wie schon 1914 – lag der Schlüssel für den Erfolg dieser Globalstrategie bei Großbritannien: Würde es sich mit den Ressourcen seines Empires als "Juniorpartner" an die Seite Deutschlands stellen oder zusammen mit den USA einen neuen deutschen Vorstoß zur Weltmachtstellung wieder blockieren? Dann allerdings stand die von Hitler an sich stets abgelehnte Vernichtung des britischen Weltreichs als nächstes direkt nach der Sowjetunion und noch vor den USA auf dem Programm.


    Diese schon räumlich total überdehnten Kriegsziele bedingten eine permanente Überforderung und Verzettelung der beschränkten eigenen Kräfte. Ihre radikale Dynamik und letztlich alternativlose, da eine rechtzeitige politische Kompromisslösung bis zum bitteren Ende ausschließende, Unabänderlichkeit beruhte nicht nur – wie im Ersten Weltkrieg – auf machtpolitischen und wirtschaftshegemonialen Ansprüchen der deutschen Machteliten (Autarkie), sondern v. a. auch zum ersten Mal auf einer dogmatisierten Rassenideologie als offizielle Staatsdoktrin, die im "ewigen Kampf ums Dasein" (Sozialdarwinismus) das natürliche Recht auf "Lebensraum im Osten" und auf Versklavung der dortigen Bevölkerung aus der angeblichen "Höherwertigkeit" der nordisch-germanischen Rasse ableitete. Die unausweichliche Konsequenz dieser Rassenutopie war eine bisher unbekannte Ideologisierung, Fanatisierung und Brutalisierung der Kriegführung im Osten als antibolschewistischer "Vernichtungskampf" und "Kampf zweier Weltanschauungen" (Hitler 30. 3. 41) und der Besatzungspolitik in Polen und in der Sowjetunion (12. 6. 42 Generalplan Ost): Sie hatte nicht mehr nur die militärische Unterwerfung des Gegners, Raumgewinn und wirtschaftliche Ausbeutung, sondern weit darüber hinaus die Herabstufung der Bevölkerung in ein Helotendasein und teilweise sogar ihre physische Ausrottung zum Ziel und ließ entsprechend alle überkommenen Normen des Völkerrechts weit hinter sich (13. 5. 41 Kriegsgerichtsbarkeitserlass, 6. 6. 41 Kommissarbefehl). Nicht zufällig wurden mit dem Überfall auf die Sowjetunion am 22. 6. 41 und der ersten dramatischen Zuspitzung der Kriegslage im Herbst 41, als sich abzeichnete, dass der wider Erwarten ungünstige Kriegsverlauf eine zeitweilig anvisierte "Gettolösung" in Sibirien oder den Madagaskarplan in weite Ferne rücken ließ, die entscheidenden Schritte zur physischen Endlösung der Judenfrage in die Wege geleitet.


    Eine – jedenfalls im Ansatz erfolgte – Verwirklichung all dieser Kriegsziele unter Einschluss der "Endlösung" wäre ohne die enge Zusammenarbeit zwischen den alten Führungsschichten in Armee, Bürokratie und Privatwirtschaft, die sich – von wenigen Ausnahmen eines aktiven Widerstands abgesehen – selbst in den besetzten Gebieten voll mit den Planungen und dem Vorgehen des Regimes identifizierten und ihm noch Vorschub leisteten, und den neuen nationalsozialistischen Machteliten nicht möglich gewesen.


    Die neue Qualität des Zweiten Weltkriegs äußerte sich auch in der – bereits 1917/18 angelegten – Aufhebung der herkömmlichen Trennung zwischen militärischem und zivilem Bereich im modernen technisierten Volkskrieg. Herausragende Beispiele für diesen "qualitativen Sprung" waren die deutsche Besatzungspolitik und in Antwort darauf neue Formen der politisch-militärischen Kampfführung hinter den Fronten ohne eindeutige Klärung des Kombattantenstatus wie der Partisanenkrieg und die Résistance (1. 8.-2. 10. 44 Warschauer Aufstand), der von Goebbels nach der Niederlage bei Stalingrad am 18. 2. 43 im Sportpalast proklamierte "totale Krieg" bis hin zum Nero-Befehl vom 19. 3. 45 und zur Mobilisierung des Jahrgangs 1928 und des "letzten Aufgebots" gegen Kriegsende (Volkssturm) sowie als Kampfmittel der strategische Luftkrieg gegen die Zivilbevölkerung, der aber weder in der Luftschlacht um England noch im alliierten Bombenkrieg 1942-45 die erhofften Wirkungen erzielte. Auch das Mittel der millionenfachen Zwangsumsiedlung und Vertreibung, 1939/40 in gemeinsamer Absprache zwischen Deutschen und Sowjets bereits vorexerziert, dann 1945 von den Siegern gegen die Besiegten gekehrt, gehört in diesen Zusammenhang einer unter dem Krieg besonders leidenden Zivilbevölkerung. Zur Voraussetzung hatte der angesprochene "qualitative Sprung" eine revolutionäre technische Weiterentwicklung der modernen Kampf- und Massenvernichtungsmittel: Der moderne Panzer (Guderian) ermöglichte die weiträumige operative Umfassungsstrategie (Blitzkrieg); Fernbomber und Jagdschutz mit großem Aktionsradius waren die Grundlage des strategischen Bombenkriegs; die deutschen ferngelenkten Raketen (Wunderwaffen) und die amerikanischen Atombomben leiteten das moderne "Szenario" des Raketen- und Nuklearkriegs ein; schließlich war auch der Holocaust das Produkt einer von der Industrie technisch perfektionierten Mordmaschinerie.

    Die grundsätzlich bestehende Entschlossenheit der nationalsozialistischen Führung, expansive Ziele wenn notwendig mit militärischer Gewalt zu verwirklichen, sollte nicht den Blick für eine sorgfältige politische, militärstrategische und sozialgeschichtliche Analyse des Zweiten Weltkriegs, seiner Entscheidungsabläufe und seiner wichtigen Wendepunkte verstellen. Dabei geriet der Angreifer durch die Kriegslage immer mehr in eine Art objektiven Zugzwang, neue Fronten eröffnen, immer umfassendere Räume in seine Kriegsplanungen und -handlungen einbeziehen zu müssen. Er sah sich damit zunehmend in seiner autonomen Entscheidungsfreiheit eingeengt.

    Im Unterschied zur "Kriegsschulddebatte" von 1914 hat die "Entfesselung des Zweiten Weltkriegs" durch Deutschland am 1. 9. 39 keine vergleichbare Kontroverse ausgelöst. Erklärungsbedürftig bleiben allerdings das Datum des deutschen Angriffs auf Polen mit einer "verkehrten Frontenbildung" nach Westen und Osten statt, wie ursprünglich geplant, nur nach Osten, und die Motive. Entscheidend für den Angriff noch vor dem Einsetzen der herbstlichen Schlammperiode dürfte für Hitler neben den mit dem Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffsvertrag vom 23. 8. 39 verknüpften Erwartungen (Isolierung Polens, Einschüchterung der Westmächte und Neutralisierung der Sowjetunion) das zeitliche Kalkül gewesen sein, ein optimales "strategisches Fenster" ausnutzen zu können, bei dem sich kurzfristig die deutsche "Breitenrüstung" bereits auf einem Höchststand befand, die Weltmächte und v. a. die USA dagegen ihre langfristig überlegenen Kräfte noch nicht entfaltet hatten.


    Aus den schmalen deutschen Ressourcen und einer im Vergleich zu den praktisch unbegrenzten Zielen nur relativ begrenzt leistungs- und ausbaufähigen Kriegswirtschaft zog die deutsche Führung die strategische Konsequenz, unter Einsatz eines hohen militärischen Mobilisierungsstands, einer partiellen technischen Überlegenheit und des Überraschungseffekts die Gegner einzeln nacheinander in kurzen "Blitzkriegen" niederzuringen (Polen-, Norwegen-, Frankreichfeldzug) und dadurch sukzessive die kriegswirtschaftliche deutsche Versorgungsbasis zu erweitern. Als sich dieses "Blitzkriegskonzept" im Herbst 41 im Schlamm und Eis vor Moskau totlief (Russlandfeldzug) und der Krieg ein Jahr später endgültig in einen zähen und harten Abnutzungs- und Abwehrkampf überging, fehlte es für die Verteidigung der "Festung Europa" an einer großzügigen und geschlossenen militärisch-strategischen oder auch politischen Alternativkonzeption. In Parolen aus Berlin wie "Durchhalten", "Einigeln" oder "Festkrallen an jedem Quadratzentimeter Boden" drückte sich von 1943 an verzweifeltes Aufbäumen, nicht aber bewegliches gesamtstrategisches Denken aus. Überdies bot die von Hitler anvisierte "Europäische Neuordnung" unter deutschem Diktat und auf rassebiologischer Grundlage mit großräumig organisierten Menschenjagden auf Zwangsarbeiter (Sauckel) und Juden mit einer offenkundigen Verachtung für das "Gerümpel" der europäischen Kleinstaatenwelt (Hitler) für die Besiegten und die Satelliten, von einigen Ansätzen zur Kollaboration einmal abgesehen, keine wirkliche Chance für eine solidarische und gleichberechtigte europäische Zusammenarbeit etwa im Zeichen eines gemeinsamen "Kreuzzuges gegen den Bolschewismus". Der Nationalsozialismus hatte kein konstruktives und attraktives Europa-Programm.


    Die Frage nach den entscheidenden Wendepunkten des Zweiten Weltkriegs und nach der Offenheit der jeweiligen Entscheidungssituation rückt drei Kriegsphasen in den Mittelpunkt der Betrachtung: den Sommer 40, den Herbst/Winter 41/42 und den Winter 42/43. Die Erkenntnis, dass Großbritannien unter seinem neuen Premier Churchill auch nach der Kapitulation Frankreichs am 22. 6. 40 nicht friedensbereit war und dass sich die USA durch ihre zunehmend engere militärische Zusammenarbeit mit London immer bedrohlicher als weiterer Gegner in den Vordergrund schoben, aktualisierte ein letztes Mal die breite Palette der unterschiedlichen Konzeptionen zur siegreichen Beendigung des Kriegs: Zusammenfassung "Mitteleuropas" unter deutscher Hegemonie, ergänzt durch periphere "Großwirtschaftsräume" (Südosteuropa) und ein Kolonialreich in "Mittelafrika"; direkte Landung in England (Aktion "Seelöwe") nach der Erringung der Luftherrschaft, Aushungern des Inselreichs und Unterbindung der Versorgung durch die USA durch einen forcierten Aufbau der U-Boot-Waffe (Seekrieg); Zerstörung des britischen Empires und der Zufahrtswege durch eine "Strategie der Peripherie" mit Stützpunkten in Westafrika, im Mittelmeer (Afrikafeldzug) und im Vorderen Orient bei Ausbau einer überlegenen Großkampfflotte; von Ribbentrop favorisiert die Bildung eines euro-asiatischen Kontinentalblocks von Madrid bis Yokohama gegen Großbritannien und die USA auf der Basis des Dreimächtepakts vom 27. 9. 40 mit Einschluss Spaniens (Hendaye 23. 10. 40), Vichy-Frankreichs (Montoire 24. 10. 40) und der Sowjetunion (Molotowbesuch in Berlin 12./13. 11. 40); indirekte Kriegführung gegen die beiden angelsächsischen Mächte durch den Angriff auf die Sowjetunion.


    Der Angriff auf die Sowjetunion (18. 12. 40 Weisung für "Barbarossa") war zwar "Hitlers eigentlicher ideologischer Krieg" und als solcher längst geplant; er resultierte aber zugleich aus einer gewissen aktuellen Zwangslage, sich im Westen gleichsam "festgesiegt" zu haben ohne Aussicht auf eine Kriegsentscheidung, aus dem Alptraum, möglicher politischer und ökonomischer Erpressungen Stalins im Rücken ausgesetzt zu sein, sowie aus der energischen Anmahnung einer offensiven sowjetischen Sicherheitszone von Finnland über die Ostsee-Ausgänge, Rumänien, den Balkan bis zu den türkischen Meerengen durch Außenminister Molotow in Berlin. Einen mehr defensiven Charakter hatte unter diesem Aspekt der Balkanfeldzug (6. 4.-1. 6. 41), um die Südflanke für "Barbarossa" abzusichern und das rumänische Erdölgebiet Ploesti vor englischen Bomberangriffen von Kreta aus zu bewahren.

    Die "Wende vor Moskau" Ende 41 und gleichzeitig der Kriegseintritt der USA (11. 10. 41 Kriegserklärung Deutschlands und Italiens) lösten bereits bei den Zeitgenossen und angeblich sogar bei Hitler selbst erste ernste Zweifel am "Endsieg" und v. a. eine große Ratlosigkeit darüber aus, wie die USA überhaupt besiegt werden könnten. Machtpolitische Rivalitäten und gegenseitiges Misstrauen zwischen den "Achsenpartnern", aber auch die weite räumliche Distanz zwischen Deutschland/Italien und Japan verhinderten – trotz der militärischen Vereinbarungen vom 18. 2. 42 über eine gegenseitige Abgrenzung der Operationsräume – den Entwurf einer gemeinsamen Globalstrategie und eine koordinierte Kriegführung in Europa/Nordafrika und Fernost. Während sich die deutschen und verbündete Armeen im Herbst 42 an der gesamten Ostfront am sowjetischen Widerstand festrannten und bereits trotz einer starren und einfallslosen "Haltestrategie" erste Rückschläge einstecken mussten, beteuerte Tokio gegenüber Moskau seine Freundschaft (14. 4. 41 Japanisch-Sowjetischer Nichtangriffspakt); es verwirklichte unterdessen im Alleingang seine "Großostasiatische Wohlstandssphäre" von den Aleuten bis nach Neuguinea, von Burma bis zu den Marshall-Inseln im Pazifik als gewaltiges Rohstoffreservoir und zugleich als Aufnahmegebiet für seine Industrieprodukte und seinen Bevölkerungsüberschuss. Erst die verlorene Seeschlacht bei den Midway-Inseln (3.-7. 6. 42) und dann die verlustreiche Niederlage auf Guadalcanal (7. 8. 42-8. 2. 43) leiteten – zeitlich parallel zum euro-afrikanischen Kriegsschauplatz – auch in Fernost die Wende ein. Der Herbst und Winter 42/43 brachte den entscheidenden Umschwung an allen Fronten: Stalingrad (19.-23. 11. 42 Einschließung, 31. 1./2. 2. 43 Kapitulation), El Alamein (3. 11. 42 Rückzug Rommels, 13. 5. 43 Kapitulation in Tunesien), Nordwestafrika (7./8. 11. 42 Landung angloamerikanischer Truppen und damit Eröffnung der "zweiten Front") sowie Konferenz von Casablanca (14.-24. 1. 43: Forderung nach Bedingungsloser Kapitulation), Atlantikschlacht (erstmals höhere alliierte Neubau- als deutsche Versenkungsziffern).

    Die "Festung Europa" wurde im Osten nach einer letzten und erfolglosen deutschen Offensive bei Kursk (5.-15. 7. 43 Unternehmen "Zitadelle") Schritt für Schritt zunächst bis zum Dnjepr (Ende 43), dann auf die Linie Budapest-Weichsel-ostpreußische Grenze (Ende 44) eingedrückt, bis die Russen am 16. 4. 45 von ihren Oderbrückenköpfen aus zum letzten Zangenangriff auf Berlin (Kapitulation 2. 5. 45) ansetzten. Von Südosten her brachten sowjetische Vorstöße und Partisanenaktivitäten auf dem Balkan, von Italien und Frankreich aus die Invasionen der Anglo-Amerikaner die deutschen Fronten zum Einsturz. Nach der Kriegswende 1942/43 verharrte Hitler immer starrer in jener radikalen politisch-strategischen Alternative, die jeden politischen Kompromiss ausschloss und die er auch suggestiv (Wirkung des "Führermythos") seiner Umgebung als Handlungsmaxime aufzuzwingen vermochte: Sonderfriedensfühler Stalins seit Ende 42, wohl mit ausgestreckt aus dem Argwohn über das Ausbleiben der "zweiten Front" in Frankreich, wurden ignoriert. Widerstand (20. 7. 44) und Protest mit Terror und Vernichtung vergolten, allgemein Absetzbewegungen unter den Satelliten (23. 8. 44 Rumänien, 8. 9. 44 Bulgarien, 19. 9. 44 Finnland), soweit noch möglich, mit militärischer Besetzung und der Aufzwingung von Marionetten-Regimes beantwortet, Aufstände hinter der Front (1. 8.-2. 10. 44 Warschau, September 44 Slowakei) blutig niedergeschlagen. Als geradezu grotesker Ausdruck eines totalen Realitätsverlusts und der Selbstverblendung in der Illusionswelt des "Führerbunkers" in Berlin mag der Versuch von Goebbels in allerletzter Stunde gelten, propagandistisch die Nachrichten aus Teheran (28. 11.-1. 12. 43) und Jalta (4.-11. 2. 45) über zunehmende Konflikte unter den "Großen Drei" über die Neuordnung Europas, besonders Deutschlands, Polens und der Balkanländer nach dem Krieg zur Stunde der Wiedergeburt einer deutschen Großmacht zwischen Ost und West umzufälschen.

    Mit der deutschen (8. 5. 45) und der japanischen Kapitulation (2. 9. 45) endete ein Weltkrieg, in dem die Sowjetunion (etwa zehn bis 13 Millionen Soldaten und sieben Millionen Zivilisten) und in gewissem Abstand Polen (fünf bis sechs Millionen Kriegstote, davon rund drei Millionen Juden, d. h. insgesamt 20 % der Bevölkerung) und Deutschland (3,8 Millionen Soldaten und 1,65 Millionen Zivilisten) den weitaus höchsten Blutzoll zu entrichten hatten. Während die Niederlage 1918 nach dem Rückzug der USA in die machtpolitische Isolation und der Selbstisolierung der revolutionären Sowjetunion dem besiegten Deutschland in der Mitte Europas die staatliche Einheit und alle Möglichkeiten für einen Wiederaufstieg zur Großmacht innerhalb relativ kurzer Frist beließ, führte nach 1945 die schnelle Entfremdung zwischen den Siegermächten (17. 7.-2. 8. 45 Potsdam) zur Teilung der Welt in zwei Machtblöcke und an der Nahtstelle dieser Blöcke in Mitteleuropa zur faktischen Auslöschung des deutschen Nationalstaats nur 75 Jahre nach seiner Etablierung durch Bismarck 1870/71.